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Während die Planung der Hafenerweiterung stockt, hat AOS-Eigentümer Victor Dahdaleh das ehemalige GDF Suez-Gelände (umrandet) gekauft. |
Vor der Erweiterung
des Bützflether Hafens ist planerische Schwerstarbeit zu leisten
- Dahdaleh kauft ehemaliges GDF-Suez-Gelände
Christian
Schmidt STADE. Die Euphorie über die avisierte Erweiterung des
Bützflether Seehafens um 40 Hektar ist harter planerischer
Arbeit im Rathaus der Hansestadt Stade gewichen. Drei Bebauungspläne
und eine Änderung des Flächennutzungsplans für das
Industrie- und Hafengebiet müssen juristisch so wasserdicht
sein, dass Bürgerinitiativen auf Klagen verzichten. Das kann
dauern. Verkauft ist unterdessen das Grundstück, auf dem der
belgische Energiekonzern GFD Suez sein umstrittenes Kohlekraftwerk
bauen wollte. Neuer Eigentümer ist der Eigentümer der
benachbarten Aluminium Oxid Stade (AOS), Victor Dahdaleh.
"Lieber
einen Tag länger warten, als in einer rechtlichen Sackgasse
landen", sagt Hans-Gerd Janssen, für Stade zuständiger
Manager von Niedersachsen-Ports. Immerhin hat vor einem Monat der
Stader Rat die "finale Fassung" eines Schallrahmenplanes
verabschiedet. Ein wichtiger Schritt, damit es mit der Planung im
Bützflether Industrie- und Hafengebiet weitergehen kann, betont
Bürgermeister Andreas Rieckhof (SPD).
Das Gutachten weist den
unterschiedlichen Flächen im Industriegebiet Lärmkontingente
zu, die unter anderem den Nachtbetrieb der Unternehmen so regeln
sollen, dass die Bützflether Bevölkerung keine
Gesundheitsschäden davonträgt. Die Expertise ist letztlich
Ergebnis einer juristischen Schlappe, die die Stadt Ende 2008 durch
die "Bürgerinitiative für eine umweltverträgliche
Industrie" erlitten hatte: Im Zusammenhang mit dem geplanten Bau
des inzwischen abgesagten GDF-Suez-Kohlekraftwerks hatte das
Oberverwaltungsgericht Lüneburg den Schallplan und die
Aktualisierung der städtischen Bauleitplanung gefordert.
Von
drei Bebauungsplänen für das Industriegebiet ist der für
die kleine Hafenerweiterung um vier Hektar rechtskräftig und
nicht mehr durch etwaige Klagen zu kippen. Für Bürgermeister
Rieckhof hat das Gelände mit dem geplanten Vielzweck-Terminal
des Logistik-Unternehmens Buss aus Hamburg für den Wechsel vom
reinen Industriehafen zum Seehafen eine Schlüsselfunktion.
Doch
ausgerechnet Buss hat zurzeit Probleme mit der Genehmigung eines
Umschlagplatzes und Zwischenlagers für Gefahrgüter: Es geht
um den Umgang mit bis zu 46 Box- und Tank-Containern, die laut Antrag
vom Juli 2010 auch "sehr giftige" oder
"explosionsgefährliche" Stoffe beinhalten können.
Einen vom Unternehmen vorgelegten Sicherheitsbericht hielt das
Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg jüngst für nicht
ausreichend (siehe Bericht unten). Der Umweltverband BUND fordert,
dass die Sicherheitsvorkehrungen nach der Störfallverordnung
eingehalten werden. Buss hat inzwischen einen neuen Gutachter mit dem
Sicherheitsbericht beauftragt. Das kostet Zeit: Ursprünglich
wollte der Logistiker bereits im Oktober 2010 mit dem Betrieb
beginnen.
Von ganz entscheidender Bedeutung ist für
Niedersachsen-Ports-Manager Janssen ein weitere Bebauungsplan mit der
Nummer 602/1, dessen Entwurf die Stade im Februar/März
öffentlich auslegen und bis zum Sommer aufstellen will. Hier
geht es um die planungsrechtliche Absicherung im Bereich nördlich
der Johann-Rathje-Köser-Straße mit den bestehenden
Betrieben von AOS, N-Prior-Energy (früher Prokon-Nord) und Areva
in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hafenerweiterung.
Ein wichtiges
Grundstück im Industriegebiet hat unterdessen einen neuen
Eigentümer gefunden, den sich die Stadt als Partner nur wünschen
konnte: Die Stade-Bützfleth Holding Ltd. hat sich die 48 Hektar
große Fläche gesichert, auf der ursprünglich das
GDF-Suez-Kohlekraftwerk entstehen sollte. Das bestätigte am
Freitag Helmuth Burfeindt, Geschäftsführer der benachbarten
Aluminium-Oxid Stade (AOS). Die Stade-Bützfleth-Holding mit Sitz
auf der britischen Kanalinsel Guernsey ist Teil der Dadco-Group des
kanadischen Industriellen Victor Phillip Dahdaleh, zu der AOS
gehört.
"Mit Herrn Dahdaleh als Eigentümer haben
wir einen verlässlichen Partner bei der Entwicklung vom
Industriehafen zum Mehrzweckhafen", freut sich Bürgermeister
Rieckhof. Über das Grundstück an der Bützflether
Süderelbe müssen wichtige Straßen- und
Gleisanbindungen zum neuen Seehafen führen. Für den
entsprechenden neuen Bebauungsplan 602/2 soll im Frühjahr die
"frühzeitige Bürgerbeteiligung"
erfolgen.
Gleichwohl steht das Planfeststellungsverfahren für
die geplante große Erweiterung des Seehafens faktisch still.
Für N-Ports-Mann Janssen ist das nicht beunruhigend: "Wir
wollen über die Bebauungspläne Rechtssicherheit haben."
Den Nachbarn in Bützfleth verspricht Janssen: "Große
Änderungen an der Planung werden wir neu auslegen und mit der
Öffentlichkeit erörtern."
Gewerbebaufsicht:
Expertise nicht aussagekräftig
Der
Umweltverband BUND und die „Bürgerinitiative für eine
umweltverträgliche Industrie Bützfleth“ hatten es
entdeckt – das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg kam unabhängig
zum gleichen Ergebnis: Der vom Logistik-Unternehmen Buss vorgelegte
Sicherheitsbericht für einen Gefahrgut-Umschlagplatz im
Bützflether Hafen ist „nicht aussagekräftig“.
Jetzt will das Unternehmen einen neuen Experten
beauftragen.
„Insgesamt genügt der vorgelegte
Sicherheitsbericht nicht annähernd den Anforderung der
Störfallverordnung“, hatte im Dezember der Ingenieur Peter
Gebhardt bemängelt, der im Auftrag des BUND arbeitet. Mögliche
schwere Unfälle mit sehr giftigen Stoffen könnten eine
ernste Gefahre bis über das Stadtzentrum von Stade hinaus
bedeuten, so seinerzeit Gebhardt.
Entsprechende Szenarien, die die
Störfallverordnung vorschreibe, fehlten unter anderem im
Sicherheitsbericht des vom Hafenlogistiker beauftragten Unternehmens,
so die Kritik.
Auch Christina Freifrau von Mirbach, Sprecherin des
Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg, erklärte auf
TAGEBLATT-Anfrage zur Aussagekraft des Buss-Gutachtens: „Das
hat nicht gereicht.“ Mit dem Unternehmen sei deshalb
einvernehmlich eine neue Expertise vereinbart worden.
Buss
erklärte inzwischen: „In Abstimmung mit dem
Gewerbeaufsichtsamt werden wir einen zweiten zugelassenen und
fachlich versierten Gutachter beauftragen, um etwaige Nachbesserungen
vorzunehmen.“
Das Unternehmen betont, dass die
Gefahrgutcontainer zum großen Teil von benachbarten
Produktionsbetrieben stammten, die unmittelbar auf Schiffe
umgeschlagen würden. „Damit schaffen wir mehr Sicherheit
gegenüber dem Straßentransport“. (ccs)
22.01.2011